Freitag, 24. Oktober 2014

Der Fremde - Die Graphic Novel (Nach dem Roman von Albert Camus) von Jacques Ferrandez Review und Diskussion

Der Fremde
Info
Gebunden
Verlagshaus Jacoby & Stuart
128 Seiten


Camus Roman wurde gleich nach seinem Erscheinen 1942 zur literarischen Sensation. Heute gilt er als einer der wichtigsten Texte des Existentialismus kaum ein Französischschüler oder -student kommt um ihn herum. Jacques Ferrandez hat die Geschichte eines jungen Mannes, der eher aus Versehen einen Mord begeht, unter Verwendung des Originaltexts zu einer eindringlichen Graphic Novel gemacht.In dem vielleicht bekanntesten Werk Camus geht es um den jungen Franzosen Meursault im Algier der 1930er Jahre, der durch einen lächerlichen Zufall zum Mörder wird. Doch wichtiger als diese Tat ist die Haltung, die Meursault dem Leben gegenüber hat: Alles, was ihm geschieht oder was er tut, ist sinnlos, absurd. Der Tod seiner Mutter berührt ihn ebenso wenig wie der Heiratsantrag seiner Freundin oder der Mord, den er begangen hat. Selbst die bevorstehende Todesstrafe löst keine Reue in ihm aus. Erst als er schließlich die Absurdität seines Daseins akzeptiert, erkennt Meursault, dass der einzige Sinn des Lebens die Existenz selbst ist. Kaum ein Roman hat ganze Generationen von Lesern so beeinflusst wie Der Fremde. (Quelle: www.amazon.de)


Erster Satz:
Heute ist Mama gestorben.


Meine Meinung:
Nachdem ich Harry Potter beendet hatte und eine Welt hinter mir liess, die mich lange begleitet hat und die mich als Leserin bereichert hat, wie sonst nichts vorher, wusste ich, ich sollte etwas lesen, was ich vielleicht schon kannte oder was einfach ein gutes Buch für Zwischendurch ist.
Deshalb habe ich mich für diese Graphic Novel entschieden, die eine Neu-Umsetzung des Klassikers "Der Fremde" von Albert Camus darstellt.
Ich habe dieses Buch im Französisch-Unterricht gelesen und kenne deshalb die Ur-Geschichte.
Daher wird diese Rezension nicht nur die Geschichte des Buches, sondern auch die Umsetzung des Originals behandeln.
Es geht in der Geschichte um Meursault, der scheinbar total teilnahmslos durchs Leben geht. Am Anfang des Buches erfährt Meursault vom Tod seiner Mutter und nimmt diesen völlig gefühlslos hin. Er weiss nicht mal, wie alt sie war. Und auch bei der Beerdigung zeigt er keinerlei Trauer
Seine Lieblingssätze sind : "Ich weiss es nicht." und "Es ist mir egal."
Selbst als er Marie kennenlernt, zeigt er keinerlei Gefühlsregung und als sie in fragt, ob er sie heiraten will, ist seine Antwort natürlich: "Ist mir egal."
Sein Leben bleibt auch ziemlich ereignislos bis er sich mit seinem zwielichtigem Nachbarn Raymond, der von einer Gruppe Arabern verfolgt wird, anfreundet.
Dieser nimmt ihn mit zu einem Bekannten, wo es dann auch zu Meursaults verhängnisvoller Mordtat kommt.
Im zweiten Teil der Geschichte dreht sich alles also um Meursault im Gefängnis, während dem Prozess, bis hin zum Urteil, er wird zum Tode verurteilt.
Und es ist auch im zweiten Teil, in welchem mir Meursault sympathischer wurde, dass war schon so als ich es zum ersten Mal gelesen habe. Am Anfang ging mir seine Teilnahmslosigkeit echt ziemlich auf den Keks. Alles war ihm egal, nichts schien ihn zu interessieren. Und erst im zweiten Teil beginnt er wirklich zu denken, zu reflektieren, zu fühlen.
Und ich glaube, dass wurde ganz bewusst gemacht. Meursault macht wohl eine der grössten Charakterentwicklungen in der Geschichte der Literatur-Klassiker durch.
Dieses immer wiederkehrende Element der gleissenden Sonne war auch ein wahnsinnig gut gewähltes Symbol.
Das Hauptthema der Geschichte, die Absurdität des Lebens, ist wunderbar umgesetzt.
Meursault ist kein Charakter mit dem man sich wohlfühlen soll, den man ins Herz schliessen soll. Das ist nicht das eigentliche  Ziel der Geschichte.
Nun  aber endlich zur Umsetzung der Geschichte als Graphic Novel.
Mir hat der Zeichenstil von Jacques Ferrandez sehr, sehr gefallen. Er passt wunderbar zu der Geschichte von Meursault.
Vor allem die Gestaltung der Gesichter hat mir sehr zu gesagt, wie die verschiedenen Mimiken dargestellt wurden war unglaublich faszinierend und fesselnd.
Auf Grund des Hintergrundes der manchmal auf den Seiten gezeichnet wurde fiel es mir zum Teil etwas schwer den Bildern in der richtigen Reihenfolge zu folgen.
Die wichtigsten Teile der Geschichte wurden alle beibehalten und nicht zum Schlechteren gekürzt. Die Stellen, welche mir im Buch zu langatmig waren, nahmen hier keinen grossen Platz ein.
Ein kleines Detail, welches mich wirklich begeistern konnte war, als Marie und Meursault sich im Kino einen Film von Fernandel anschauen und Jacques Ferrandez einen Charakter einen Artikel aus dem Code Civil zitieren lässt, nämlich: "Jedem zum Tode verurteilten wird der Kopf abgeschlagen." Dieses kleine Detail bildet für mich eine Klammer, welche die Geschichte umschliesst.
Ich kann dieses Buch vor allem denen empfehlen, die zwar interessiert an der Geschichte von "Der Fremde" sind, aber sich nicht direkt an das Werk von Camus wagen wollen.


4 von 5 Sternen


https://www.youtube.com/watch?v=n5zGHDEdRks



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